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19.03.18 - 11:30 Uhr

Dabei sein ist alles


Matthias Bartolomey (Cello) und Klemens Bittmann (Violine und Mandola) sind bekannt für zwei Dinge. Erstens für die außerordentliche Beherrschung ihrer Instrumente, zweitens für den musikalischen Grenzgang ihrer Eigenkompositionen.

 

Beides zusammen ergibt ein Soundsystem, das man als schlicht überwältigend beschreiben kann. Ob der Programmtitel „Dynamo“ tatsächlich spontan während des Konzerts im Emailwerk entstanden ist, kann dem staunenden Zuhörer einerlei sein. Fakt ist, er passt wie der Deckel zum Topf. Bartolomey und Bittmann stellen sich an diesem Abend mit einem Stück mit dem Titel „Neptun“ vor und fangen damit gleich mal mit 100% an. Aufwärmphase? Langweilig. Dehnungsübungen? Viel zu konservativ. Das Publikum wird vom Duo ohne Vorwarnung von der Klippe gestoßen und landet in einer aufgewühlten See an unberechenbaren Tönen und irrwitzig schnellen Rhythmen, dass die Gischt locker bis an die Ohrmuschel spritzt. Es folgt ein dramatisches Stück mit dem Titel „Dynamo“, das als Namengeber für die fesselnde Dramaturgie des Abends Pate steht.

 

Die nervöse Wildheit der beiden Intros wirken wie Blutverdünner, die es dem Zuhörer heiß und kalt bescheren. Es zuckt, fetzt und die beiden Musiker bersten beinahe in der Wolke ihrer eigenen Stakkatos. Aber – wer sich zu diesem Zeitpunkt auf eine kochende Stimmungsjagd eingestellt hat, ist zu früh dran. Mit „Davids Tanz“ schrauben die beiden Virtuosen den Klang urplötzlich vom Aufwühlenden ins Heitere. Obgleich noch überfüllt von subtilsten musikalischen Details, tritt ein verfolgbarer Rhythmus nach vorne und umhüllt das Auditorium beinahe spielerisch. Und noch während man bemüht ist, das Tanzbein fest am Boden zu halten, vollziehen Bartolomey und Bittmann ein weitere Wende in Richtung der göttlichen Morgenröte. „Aurora“ nennt das Duo die Eigenkomposition, die wie ein ruhiger Atem im Saal pulsiert, wo gerade noch der Hexenkessel kurz vor dem Überlaufen war. Bedächtig, ja kontemplativ streichelt Bartolomey sein Jahrhunderte altes Cello, während Bittmann auf seiner, eigens für ihn konstruierten Mandola feingliedrige Töne auf die Reise schickt. Die dämmrige Saalbeleuchtung vermischt sich mit Bühnenrauch und dem grazilen Tongefüge zu einer dichten Atmosphäre, die sich schwer auf den ganzen Körper legt.

 

Der Abend bewegt sich zwischen Funk und Romantik, zwischen hellem Funkeln und schwarzer Düsternis. Gleichwie die Stimmung gerade ist, über allem steht die musikalische Brillanz der beiden Künstler. Manchmal ist dabei sein eben alles.

(mw)











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