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21.10.17 - 10:29 Uhr

Der Klang der Sehnsucht


Sehnsucht ist ein großes Wort und es in Zusammenhang mit einem Instrument zu verwenden, ist vielleicht gewagt, aber legitim.

Wer Daniele di Bonaventura auch nur einmal solo auf der Bühne erlebt hat, kann mit dieser Metapher durchaus etwas anfangen. Sein Spiel gleicht einem Farbenrausch, der immer wieder neue Horizonte eröffnet, er erzeugt dabei einen durch den Raum schwebenden Luftstrom, der mit seinem Klang jede Ecke ausfüllt. Bonaventura windet sich dabei wie bei einem Geburtsschmerz, als würde er jeden Ton für die Welt erkämpfen müssen. Er genießt die Lüsternheit der traurigen Harmonien genauso wie das perkussive Klappern der Register. Oft verschwindet er beim Vortrag in die Welt seiner Kompositionen wie in einen Tagtraum und erschrickt sich am Ende wie ein Erwachender über den tosenden Applaus, obwohl er die ganze Zeit das Publikum nicht aus der Hand gegeben hat. Wie ein unsichtbarer Faden verbindet ihn die Musik mit den Lauschenden. Nach einer kurzen Pause, in der er in italienischem Englisch sich zu erklären versucht, verfällt er wieder der schwermütigen Elegie seinen über achtzigjährigen Bandoneons. Dieses Instrument hat schon viel gesehen und zeigt uns alles, was wir sehen wollen: Leidenschaft, Wehmut, Fernweh, Heimweh, Liebe, Leben und Tod.

 

Daniele di Bonaventura erfüllte den Raum des Emailwerks vorwiegend mit seinen eigenen Kompositionen, aber auch mit den Tangos Astor Piazzollas, der einen oder anderen Milonga und mit italienischen Weisen, die ihm als Kind einst sein Vater vorgesungen hatte. Ich sah Menschen im Publikum, die die Augen geschlossen hielten, als würde ihnen der klare Bild die Welt entzaubern, in die Bonaventura sie gerade entführt hatte.

 

Ein einzigartiger Konzertabend, den viel zu wenige Menschen erlebt haben.

(lf)











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