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26.10.14 - 13:02 Uhr

Im Schein der Sonne


Es gibt Abende, da ist die Aufgabe, eine Rezension zu verfassen, die denkbar undankbarste. In zweierlei Hinsicht: Zum einen möchte man keine der kostbaren Sekunden verlieren, ist aber immer wieder gezwungen, den Fluss der Bilder und Gefühle zu unterbrechen, um zumindest ein paar Notizen mit nach Hause zu nehmen. Zum anderen sitzt man dann da, vor einem hellen Bildschirm, und fragt sich wie man das Erlebte, das einen so weit fortgetragen hat, in, im Ansatz würdige, Worte fassen kann. Hat jemand die Telefonnummer von Goethe?

 

Der Liederabend „Im Herzen die Lieder“ von Renate Hornstein ist ebenso wenig eine Abendvorstellung mit Stimme und Klavier, wie Hornstein Sängerin und Pianistin ist. Es ist wahrhaft keine Übertreibung, Renate Hornstein als eine Art emotionale Singularität, einen Empfindungsursprung zu beschreiben, und das, woran sie ihr Publikum teilhaben lässt, ist nichts Geringeres als ein Seelenregenbogen, in dem sich alle Gefühle, die ein Mensch zu erfahren in der Lage ist, in bunten Farben widerspiegeln.

 

Zweifelsohne erwecken ihre Lieder in jedem Individuum ein anderes Bild zum Leben. Doch ebenso unbestritten haben viele dieser Bilder mit Landschaften und Märchen zu tun. Von namenlosen Flüssen und Wäldern in Gefilden, die in ihrer Schönheit und ihrem geheimnisvollen Wesen ohnegleichen sind. Von der Unbeirrbarkeit aufrichtiger Liebe und dem romantischen Heldentum, die diese ritterlich zu beschützen weiß. Auch wenn Renate Hornstein sich einmal an diesem Abend dem Begriff Kitsch in Zusammenhang mit einem ihrer Lieder bediente, ist dieser Wortgebrauch so trügerisch, als hätte Mozart von sich selbst behauptet, er wäre ein verspielter Junge.

 

Die junge, hübsche Frau wirkt auf der Bühne wie die Stilfigur einer klassischen Konzertpianistin. Beginnt sie zu spielen und streichelt mit ihrer samtig warmen Stimme über ihre Kompositionen und Texte, findet man ihre künstlerischen Bezüge aber in der Moderne. Allenfalls in kleinsten Teilen darf man an die eine oder andere Prinzipalin ihres Genres denken, wie zum Beispiel Tori Amos oder Kate Bush. Allenfalls in dem einen oder anderen Tonsprung könnte man sich an ein Signum von Xavier Naidoo erinnern – lediglich um am Ende mit sich selbst überein zu kommen, dass Renate Hornstein eine inkomparable künstlerische Gesamtheit ist. So grandios ihre Stimme auch sein mag, so über alles erhaben ihr Ausdruck am Klavier auch ist – ihr wahrhaftiges Instrument ist ihr Herz und ihre anmutige Emotion. Alles andere rückt in weite Ferne und jeder rationale Gedanke verblasst wie selbst der hellste Kerzenschein in einem Sonnenaufgang.

(mw)

 











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