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05.10.14 - 22:02 Uhr

Ja ja – geh nur...


Wir, jene Hälfte der Menschheit mit dem First-Serve-Gütesigel des Herrn, wissen, wenn die Ripperljüngerinnen als zweite Hälfte der Menschheit etwas wie „Ja, ja – geh nur“ oder ähnlich Lautendes schmallippig hervorpressen, dann ist es Zeit, die Situation zu überdenken.

 

Im übervollen Emailwerk bemühen Anita Köchl und Edi Jäger einen der Klassiker des strapazierten Ehelebens, um dem voller Erwartung steckenden Publikum gleich zu Beginn zu versichern, dass diese erfüllt werden. Als bereits in der zweiten Szene ein aufs peinlichste berührter Ehemann im vollen Theater von seiner verspäteten Frau durch die affektiert blickenden Ränge geschickt wird, spürt man, wie einige der anwesenden Männer im Dunkeln die Fäuste ballen. Die anderen - mutmaßlich Singles - lachen sich beinahe zu Tode.

 

„Das Beste aus meinem Liebesleben“ ist eine heiter-satirische bis schwärzest-sarkastische Zusammenfassung der kommunikativen Abgründe und unterschiedlichen Betrachtungsweisen zwischen Ihr und Ihm. ER will nach dem Sex nicht hören, dass er der Beste in seinem Beruf ist. Und SIE will weiterhin ihrer Kreativität bei der Ablage von Schlüsseln frönen, was ihn wiederum – egal, sie kennen den Verlauf…

Köchl und Jäger liefern Spaß pur. Im Sekundentakt entladen sich die kleinen und großen Pointen über dem nach Luft schnappenden Publikum. Wer keine Tränen mehr hat, bekommt Lachkrämpfe – Edi Jäger bejammert gerade seine kosmetisierende Frau, dass es bereits Fünf nach Acht sei und man um Acht hätte dort sein sollen. Antwort im Föhnlärm: „Hast du das Geschenk schon eingepackt?“

 

Verschnaufpausen liefert das geniale Komödianten-Duo so gut wie keine. Manchmal benötigt das Hirn ein paar Sekunden, um akustische Fehlübersetzungen oder Interpretationen des Google-Translators dem Zwerchfell begreiflich zu machen, aber sobald der bayerisch-kindliche „Erdbeerschorsch“ eindeutig als „Erzbischof“ identifiziert wurde, brach die teils orgiastische Erheiterung wieder durch die Ränge.

Dass ein eheliches Gerangel um die Positionierung einer Zahnpastatube in einer ernsten Zerrüttung enden kann, ist für Beziehungsveteranen beiderlei Geschlechts nun wirklich nichts Neues (ersetzen Sie allenfalls Zahnpastatube durch: Socken, Blumenvasen, Schuhe, etc). Auch der qualitativ besonders hochwertige Versöhnungssex im Anschluss, der vom besonders gerissenen Partner durchaus ins Kalkül gezogen wird, ist kein überraschendes Ende. Doch der Friedenspfeifentango der beiden entflammten Possenreißer stellt alles in den Schatten.

 

Natürlich ist die Clooney-Ekstase der eigenen Ehefrau im Kino ein Stich ins Herz. Doch wenn sich Anita Köchl verzückt im Gestühl räkelt und Edi Jäger ein jämmerliches „Bin nicht Brad, bin nicht Pit – bin nur Durch-Schnitt“ ins Publikum gleiten lässt, ist es nur noch zum Brüllen. Und ehrlich Jungs – wir haben ja auch unsere Zeta-Jones‘ und Halle Berrys. Grins.

(mw)

 











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