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06.06.17 - 10:36 Uhr

Im Shangri-La der Tonkunst


Ein Niniwe-Konzert hat etwas Entrückendes. Für die Dauer eines Abends vergisst man, wo man ist, worauf man sitzt, den Sitznachbarn – mit gefesselten Sinnen eingewoben in eine Landschaft aus Tönen und Farben. Die vier Damen aus Berlin brillieren über alle Maßen mit ihrer Wandelbarkeit, sowohl was Stimme, als auch Programm betrifft.

 

Dort wo man bei vielen anderen A-Cappella-Formationen nach zwei, drei Stücken einen gewissen Sound heraushört, überrascht Niniwe mit Neuem. Und so wenig ein Stück ähnlich anmutet wie das vorhergehende, so unterschiedlich gebrauchen die Damen ihre Stimmen. Was umso erstaunlicher ist, da alle Stücke von Winnie Brückner arrangiert und zum Teil auch komponiert wurden. Sie selbst ist einmal flötendes Zauberwesen, einmal kokettierendes Weibsbild. Nicht anders halten es die drei anderen Evastöchter. Lena Sundermeyer, um im Sopran zu bleiben, singt mit ihrer glockenhellen Stimme die wortwörtliche Unschuld ebenso glaubwürdig wie die feingliedrige Rhythmusmaschine, nach der man ein Metronom einmessen kann. Caroline Krohn ist es, neben der mitreißenden Moderation, gegeben, mit ihrer Stimme zwischen divenhafter Erotik und geladener Pistole zu spielen. Auch Altkollegin Hanne Schellmann wandelt sich unbeschwert von der rauchigen Jazzbar zum lockenspielenden Heidemädel – allerdings eine Oktave tiefer.

 

Niniwe weiß diese scheinbar spielerische Wandelbarkeit bis zum letzten i-Tüpfelchen zu nutzen. Beach Boys, Sting, Monteverdi, Hans Leo Hassler, Kate Bush, Lana Del Ray, Henry Purcell – die vier Damen wechseln von einem Genre ins nächste und fliegen zwischen den Jahrhunderten mit einer Perfektion, die man nur noch verzückend nennen kann. Und obgleich die Soli in den einzelnen Stücken schon zum Niederknien veranlassen, sind es vor allem die atemberaubend komplexen, vokalen Rhythmusteppich, mit denen Niniwe die Zuhörer in das Geschenk höchsten Erstaunens verpackt. Was soll das heißen - der Abend ist schon zu Ende? Wir haben doch gerade erst…es ist doch noch nicht mal…ach schade…

(mw)











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