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12.11.16 - 13:43 Uhr

Champagne & Reefer


In den Stücken von Oliver Mally geht es sehr viel öfter um Reefer als um Champagner. Der Slangbegriff für Marihuana kommt bei Mally zumeist zusammen mit Alkohol, unromantischem Sex oder einer anderen, brettharten Form von Melancholie auf die Bühne. Das muss auch so sein – denn Oliver Mally und Hubert Hofherr sind der Blues. Und Blues ist oft dreckig.

 

Oliver Mally pflegt den Blues nicht nur musikalisch, sondern im gesamten Auftritt. Sein Humor lässt grinsen, selten jedoch lachen, seine Moderation ist oft bitterherb, jedoch immer charmant, der ganz betont legere, ungezwungene Draht zum Publikum schwankt zwischen einem Hauch Snobismus und absoluter Hingabe. Oliver Mally hat den Blues seit langem verinnerlicht. Schwer atmend trieft das Blueselixier aus jeder Pore, wird von seiner Gitarre ausgestoßen und greift mit seinen rauchigen Tentakeln nach dem Publikum. „See me in the morning“ wabert es von der Bühne, „My old friend the Blues“ fällt als Country Blues in das Mikrofon und giert über den Äther direkt auf die Haut der Zuhörer. Stones, Cohan, Dylan, Hooker – sie sind alle da. Wie Geister umschweben Sie Mally und Hofherr auf ihrem dunstigen Streifzug quer durch die Rent-Parties und Bluesbars von den 20ern bis heute.

 

„Sir“ Olliver Mally spielt dabei nicht den hochgeistigen Virtuosen, der er auf der Gitarre mit Sicherheit ist. Für die Dauer eines Konzertes verkauft er seine Seele an den Leibhaftigen, den Verführer, der ihm im Gegenzug die schmutzigen Geheimnisse des Blueshimmels offenbart. Und Mally nutzt diese Gabe mit all ihren Facetten, reizt sie aus, bis das letzte Quäntchen Emotion aus einem Lied herausgequetscht ist.

 

Hubert Hofherr beschwört indes seine Mundharmonikas. Und dieser Plural verdient seinen Namen. Es müssen an die 20 sein. Fein sortiert im Holzkästchen. Wer das für übertrieben hält, war nicht dabei, hat es nicht gehört. Hofherr lässt seine Instrumente sprechen, sich ausdrücken, vom Schnaps vernebelt wanken, gequält weinen – es ist schwer in Worte zu fassen. Er offenbart dem Publikum eine Fertigkeit auf diesem Instrument, die es bis dahin nicht für möglich gehalten hätte.

 

Zusammen bilden die beiden Künstler ein pulsierendes Herz voller Kraft und Emotion, das einen Organismus antreibt, durch dessen Adern schwarzes Blut aus Alkohol, Teer und Sex rinnt. Reefer statt Champaign – das ist der Blues.

(mw)











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