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08.04.18 - 09:25 Uhr

Der Duft der Fotografie


Kennen Sie den Geruch von Fixierbad? Wissen Sie, wie ein fotografisches Bild in einem rein analogen Prozess entsteht? Wieviel Zeit man dafür benötigt? Die Langsamkeit, in die man gezwungen wird, obwohl man intensiv und hektisch arbeitet? Dieses paradoxe Verhältnis zur Zeit ist nur eines jener Phänomene, die einem begegnen, wenn man sich auf das Bildermachen einlässt, bei dem Licht auf eine Silbergelatine-Emulsion trifft und dort eine Schwärzung des Silbers hervorruft. Ein Abbild der Wirklichkeit entsteht - Fotografie. Dieser Begriff setzt sich aus dem griechischen Worten "photos" für Licht und "graphein" für zeichnen zusammen. Mit Licht zeichnen. Ein wunderbarer Gedanke.

 

Jedes Foto, auch das banalste, hält etwas fest, was so nie mehr geschehen wird. Dieses Anhalten der Zeit ist der menschlichen Wahrnehmung sonst kaum möglich, allenfalls in den mühsamen Praktiken der Meditation. Die Langsamkeit des Sehens, der Stille und ein Sich-Versenken in das jeweilige Sujet muss man erlernen, man muss sich darauf einlassen. Die Abbilder von Menschen, Natur, Umfeld, Gegenständen zeigen einen paradoxen Vergleich: als würde ein Zeit-Moment sich selbst abbilden, die Natur sich selbst wahrnehmen. So entstehen genaue, poetische Blicke auf die Welt, die uns umgibt.

 

Ein Bild in der Hand zu halten war in analogen Zeiten der natürliche Abschluss des fotografischen Prozesses. Heute haben wir dank der unendlichen Kapazität der Speicherelemente praktisch keinen Beweggrund den Auslöser nicht zu drücken. Wer heute gerne fotografiert, häuft im Regelfall eine Fülle von Bildern an, die kaum überschaubar am Speicherplatz der unterschiedlichen Geräte abgelegt werden. Die Selbstverständlichkeit, ein Foto als fotografisch ausgearbeitetes Bild in der Hand zu halten, ist verloren gegangen. Eine analoge Kamera zwingt zum Innehalten, zur Auswahl ausgesuchter Motive, fordert sorgfältige Bildkomposition, und verlangt den zeitaufwendigen Einsatz aller fotografisch-technischen Möglichkeiten.

 

Eine kleine Gruppe von interessierten Menschen hat sich auf das Experiment eingelassen, diese Langsamkeit zu zelebrieren und ihrem Wunsch, ein Bild zu schaffen, das sie selbst und ihre Beziehung zur Welt aufzeichnen sollte. Ob das so geworden ist, kann nur jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer selbst beurteilen. Was man als Außenstehender zu sehen bekommt, sind wunderbare Blicke auf das unmittelbare Umfeld, die fotografische Inszenierung scheinbar banaler Gegenstände und Blicke auf unsere Welt, die so subjektiv sind, dass man sich diesen Blickwinkeln kaum entziehen kann. Beschreibe Deine Welt in einem fotografischen Prozess - das hat niemand ausgesprochen, aber es ist trotzdem geschehen. Langsame Bilder mit der Großbildkamera, komplexe Kontaktportraits und fantasievolle Fotogramme entstanden in weniger als zwei Tagen.

 

Eine außergewöhnliche Erfahrung für Vortragende und Workshop-Teilnehmer im Kulturhaus Emailwerk - so schön kann analog sein...

(lf)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 











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